Mercedes 230 SL Pagode

Zu dem Wagen kam ich wie die berühmte Jungfrau zum Kinde. Vor längerer Zeit fiel einmal der Beschluß eine Pagode zu kaufen, am Ende der Suche war ich im Besitz eines wunderbaren W108, wie hier nachzulesen ist. Der 108er ist großartig und ein treuer Begleiter, aber der Gedanke an ein Schwesterchen, am besten ein 230 SL Automatic mit "falschrummer" Kulisse, ließ mich nie ganz los.

Gut Ding will Weile haben; kürzlich stand in unserer Halle auf dem Bühnenplatz eine solche Pagode, die einer der Mitschrauber gerade gekauft hatte. Wir kamen auf die Idee, die wegen stummer Benzinpumpe nicht starten wollende Pagode nach 18 Jahren "mal eben schnell" zum Laufen zu bringen. Und tatsächlich, nach ein wenig Vorbereitung und 10 Hammerschlägen auf die Benzinpumpe rotzte der Wagen vor sich hin, und zwar im Wortsinne - in Form einer fünf Meter langen Rostfahne - aber er lief.



Da der einzig freie Platz in der Halle der meinige war, wurde der Wagen also dort abgestellt. Macht sich gut, so ein Zweisitzer auf meinem Werkplatz. Naja, schnell noch das alte sprittige Öl aus der Einspritzpumpe ziehen, mittel Spritze. Was passiert? Leider fiel die Spitze von der Spritze ab, und zwar IN die ESP. Prima! Witzig! Und das auch noch abends, als wir eigentlich zum Essen wollten! Kein Rankommen von außen, beim besten Willen nicht. Am nächsten Tag mußte also dann der Deckel der ESP runter, was aber bedingt, daß der Wagen auf die Bühne kommt. Mithilfe von Wagenhebern und meiner ungeahnten Muskelkraft ging das unter Absingen schmutziger Lieder sogar ohne fremde Hilfe. Irgendwann hatte ich das Mistding aus der Pumpe geborgen und alles wieder ordentlich verschlossen und zusammengebaut und der Wagen wieder auf meinem Platz abgestellt.

Nun, da fühlte er sich wohl, wie es scheint. Zwei Tage später war der Deal besiegelt und das gute Stück war meins. Da kann man doch einfach nicht nein sagen, wenn die Kiste schon frei Haus geliefert wird und man mehr oder weniger freiwillig ein Wochenende Zeit hatte, sich kennenzulernen...



Der Wagen stand 18 Jahre still, ist recht gut in Schuß und komplett, Geschichte und Vorbesitzer nachvollziehbar, Scheckheft dabei, 135000 km, innen ordentlich, Verdeck bis auf eine trübe Scheibe noch OK, Hardtop schwarz, Notsitz dabei, Chrom gut, Technik sieht vernünftig aus, BKV ist neu, Kühler auch. Wo Licht ist, ist auch Schatten: leider gibts Rost, der erst beim gründlichen Zerlegen sichtbar wurde, der Klassiker halt.

Ein bischen war zu tun, bevor der Wagen wieder lief oder besser gesagt fuhr. Aber im Winter 2009 hat er es schon an den Polarkreis und zurück geschafft, im Rahmen unserer zweiten Sternpassagen-Tour, diesmal namens Sterndrift.